Das Projekt wird in Kooperation der Hochschule Zittau/Görlitz (TRAWOS-Institut, Leitung Prof. Dr. Raj Kollmorgen) der Universität Leipzig (Leitung Dr. Lars Vogel und Prof. Dr. Astrid Lorenz) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Leitung: Prof. Dr. Marion Reiser) umgesetzt.
Das Projekt „Elitenmonitor 2“ knüpft an den „Elitenmonitor“ (2022 - 2025) an und untersucht die anhaltende personelle Unterrepräsentation von Ostdeutschen in den bundesdeutschen Eliten. Ziel des Projektes, welches im Verbund mit der Universität Leipzig und der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführt wird ist es, auf einer breiten empirischen Basis die Zusammensetzung von Führungspositionen in zentralen gesellschaftlichen Bereichen, bzw. Sektoren wie Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Justiz, Kultur und Zivilgesellschaft kontinuierlich zu erfassen und zu analysieren. Das Projekt verbindet dabei wissenschaftliche Analyse mit gesellschaftlichem und politischem Transfer, um belastbare Daten zur Entwicklung der Elitenstruktur bereitzustellen und die öffentliche Debatte über gerechte Teilhabe und Chancengleichheit fundiert zu unterstützen. Neben der Fortschreibung des Monitorings, welches von der Uni Leipzig verantwortet wird werden die Ursachen, Mechanismen und Folgen der Unterrepräsentation systematisch untersucht und in Handlungskonzepte überführt. Der Fokus des Trawos-Instituts liegt im Rahmen dieses Forschungsprojektes auf der Rolle des öffentlichen Diskurses und damit einhergehend der Frage, wie gesellschaftliche Wahrnehmungen, Einstellungen und politische Unterstützungsbereitschaft gegenüber Maßnahmen zum Abbau der Unterrepräsentation beeinflusst werden. Das Projekt ist modular aufgebaut und nutzt sowohl bestehende als auch neu erhobene Daten, um empirische Befunde zu erfassen, bzw. weiterzuentwickeln.
Die personelle Unterrepräsentation Ostdeutscher in gesellschaftlichen Führungspositionen stellt eine zentrale politische und gesellschaftliche Herausforderung dar, da sie auf ungleiche Aufstiegschancen und eingeschränkte Teilhabe- und gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten hinweist. Trotz eines leichten Anstiegs des Anteils Ostdeutscher in Elitenpositionen von 10,9 auf 12,1 Prozent seit 2018 bleibt die Repräsentation deutlich unter der erwartbaren Quote, im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil, welcher bei 17,8 – 20,1% liegt. Besonders in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Justiz, Militär und Zivilgesellschaft ist die Unterrepräsentation, welche z.T. auf niedrigem Niveau stagniert oder sogar rückläufig ist signifikant. Gleichzeitig zeigt die hohe Fluktuation in Elitenpositionen in den letzten Jahren, dass der demographische Wandel keinen automatischen Abbau des vorhandenen Ungleichverhältnisses mit sich bringt, entgegen der verbreiteten Annahme in der öffentlichen Wahrnehmung. Dieser Umstand schwächt die Unterstützung für gezielte Gegenmaßnahmen. Eine unzureichende Repräsentation kann dabei die institutionelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, da wichtige Perspektiven und Erfahrungen unberücksichtigt bleiben, und trägt bei den betroffenen Gruppen zu einem Gefühl kollektiver Benachteiligung bei.
Das Projekt verfolgt das übergeordnete Ziel, den politisch angestrebten Abbau der personellen Unterrepräsentation Ostdeutscher in Elitenpositionen wissenschaftlich zu begleiten und gesellschaftspolitisch zu unterstützen. Dazu soll das Monitoring der Elitenstruktur fortgeführt und durch aktuelle, verlässliche Daten ergänzt werden, um dem öffentlichen und politischen Diskurs belastbare Daten zu liefern und den bestehenden Handlungsbedarf sichtbar zu machen. Ein weiteres Ziel ist die Sensibilisierung von Entscheidungsträger:innen und relevanten Akteur:innengruppen für die strukturellen Ursachen und Folgen der Unterrepräsentation. Darauf aufbauend sollen wirksame Handlungsoptionen systematisch aufbereitet und in ihrer praktischen Umsetzung begleitet werden. Zusätzlich untersucht das Projekt, in Verantwortung des Trawos-Instituts, den Verlauf des öffentlichen Diskurses und die Wirkung konkreter Interventionen auf Wahrnehmungen und Einstellungen in der Bevölkerung. Insgesamt zielt das Vorhaben darauf ab, sowohl empirisches Wissen zu vertiefen als auch die politische und gesellschaftliche Unterstützung für Maßnahmen zur Förderung gerechter Teilhabe nachhaltig zu stärken.
Die Untersuchung am Trawos-Institut zielt darauf ab, zu analysieren, ob und in welcher Weise gesellschafts- und bundespolitische Initiativen die öffentlichen Diskurse über die Unterrepräsentation Ostdeutscher und die weitere Gestaltung der deutschen Einheit beeinflusst haben. Im Mittelpunkt steht die Frage, seit wann und in welcher Form das Thema öffentlich, politisch und medial aufgegriffen wird und ob dadurch eine erhöhte Sichtbarkeit und Intensität in der Berichterstattung und damit einhergehend in der öffentlichen Debatte entstanden ist. Darüber hinaus wird untersucht, ob sich der Blick auf Ostdeutschland, Ostdeutsche und die Herausforderungen der weiteren Gestaltung des (noch nicht abgeschlossenen) Wiedervereinigungsprozesses im öffentlichen Diskurs verändert hat. Die Analyse bezieht neben der Bundesebene auch landespolitische (insb. in ostdeutschen Bundesländern), wissenschaftliche, massenmediale, -kulturelle und künstlerische Diskurse ein und betrachtet deren wechselseitige Beeinflussung.
Das Projekt verfolgt einen diskursanalytischen Ansatz zur Untersuchung der Entstehung, Gestaltung und wechselseitigen Beeinflussung öffentlicher, politischer und wissenschaftlicher Diskurse zur Unterrepräsentation Ostdeutscher. Im Zentrum steht eine fokussierte, diskurslinguistisch orientierte Analyse der Massenmedien und des politischen Feldes im Zeitraum von 2015 bis 2025. Dazu werden Beiträge aus ausgewählten Print-, Fernseh- und Social-Media-Formaten sowie politische Dokumente wie bspw. Parteiprogramme, Parlamentsdebatten, Koalitionsverträge und Gesetzesvorhaben systematisch erfasst und ausgewertet. Auf Grundlager der Ergebnisse werden ergänzend leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Akteur:innen durchgeführt. Sekundäranalytisch fließen Befunde aus dem wissenschaftlichen sowie dem kulturell-künstlerischen Diskurs ein, um interdiskursive Effekte zwischen Politik, Medien und Wissenschaft zu identifizieren. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine weiterführende Wirkungsanalyse der Zusammenhänge zwischen politischer Kommunikation, medialer Berichterstattung und gesellschaftlichen Einstellungen.
Das Verbundprojekt mit einer Laufzeit von 10/2025 - 12/2028 wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland gefördert.