Die kreativen Herausforderungen offener Gesellschaften

Die kreativen Herausforderungen offener Gesellschaften an ihren Rändern am Beispiel des Transformationsprozesses der Lausitz (04/2020 - 12/2020)

Projektförderung

Die HSZG ist eine von zehn Hochschulen, die im Rahmen des gemeinsamen Programmes "Eine Uni – ein Buch" des Stifterverbandes und der Klaus Tschira Stiftung in Kooperation mit DIE ZEIT gefördert werden.

Der Förderbetrag für jede prämierte Hochschule beträgt 10.000 Euro für die Umsetzung des Projekts. Die Mittel sind für die Erfüllung der Aufgaben der Hochschule Zittau/Görlitz bestimmt. Sie sollen der Umsetzung des ausgezeichneten Projektes „Die kreativen Herausforderungen offener Gesellschaften an ihren Rändern am Beispiel des Transformationsprozesses der Lausitz“ mit „Die offene Gesellschaft: Ein Plädoyer für Freiheit und Ordnung im 21. Jahrhundert“ von Stefan Brunnhuber dienen.

Welches Buch wurde ausgewählt und warum?

Gewählt wurde das Buch „Die offene Gesellschaft. Ein Plädoyer für Freiheit und Ordnung im 21. Jahrhundert“ von Stefan Brunnhuber (Prof. für Psychologie und Transformation an der Hochschule Mittweida), erschienen 2019 im oekom-Verlag München

Das Buch geht aus von Karl Poppers Hauptwerk »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde« und denkt dieses weiter für die Herausforderungen der heutigen Zeit.
Denn wenn „wir genauer hinsehen, dann wird deutlich, dass die Offene Gesellschaft eine zwar unfertige, aber doch zeitgemäße, angemessene und demokratische Antwort auf geoökologische Grenzen, auf Digitalisierung, Globalisierung und auf die sozialen Herausforderungen im 21.Jahrhundert darstellt.“ (Brunnhuber 2019, S. 9)

Denn diese zentralen Themen der Zukunft sind uns zwar bekannt, doch noch immer fällt vielen eine offene Auseinandersetzung damit schwer. „So können wir beispielsweise über Globalisierung diskutieren, aber nicht in gleicher Weise über Regionalisierung; wir können die Erfolge disruptiver Technologien feiern, aber nicht in Ansätzen darüber diskutieren, wie eine hierzu veränderte soziale Lebenswelt aussehen müsste; wir können trefflich über Digitalisierung reden, aber es gelingt uns nicht, die so- 10 zialen und psychologischen Nebenwirkungen in den Blick zu nehmen; auf der Agenda aller parlamentarisch vertretenen Parteien stehen der expansive Wachstumspfad und Umverteilung ganz oben, wirkliche Alternativen dagegen nicht. …  Eigentlich benötigen wir hier die hohe Kunst der Ambivalenztoleranz, das heißt die Fähigkeit, Gegensätze richtig und kritisch zusammenzudenken.“ (ebenda, 9 f.)

Angesichts der mit den Herausforderungen der Gegenwart verbundenen Bedrohungen neigen nicht wenige Menschen, Gruppen und Teilgesellschaften zu Retardationen oder Verharrungen in vormodernen, nicht-offenen, sondern ideologisch geschlossenen Formen. Das betrifft nicht nur ökonomisch weniger entwickelte Länder, sondern auch ökonomisch führende wie die USA oder China. Und es betrifft zunehmend auch relevante Bevölkerungsteile in allen modernen europäischen Demokratien. In Deutschland sind insbesondere ehemals ostdeutsche Gebiete betroffen. Die Lausitz, welche unsere Hochschule beheimatet, gehört dazu und ist, u.a. ausgelöst durch den Braunkohleausstieg, sogar besonders betroffen.

Verstärkte Wirtschafts- und Strukturförderung ist ein Rezept dagegen, doch ebenso braucht es eine verstärkte Diskussion über die Werte offener Gesellschaften. Denn „Es sind offene gesellschaftliche Verhältnisse, die diese unvollständige Suche ständig gewährleisten. Jene gilt es zu verteidigen und weiterzuentwickeln: offen und ehrlich, unaufgeregt und engagiert, klar, transparent und echt, unverfälscht und analog, live und in Farbe, angemessen, unparteiisch, fantasievoll, kreativ, mutig, authentisch und vor allem kritisch… Geht uns nämlich diese Fähigkeit verloren und wird sie nicht ständig immer wieder neu auf die Probe gestellt, laufen wir Gefahr, dass wir als schweigende Mehrheit genau das verlieren, was uns unausgesprochen am Leben hält.“ (ebenda, 12 f.)

Wie ist der Vorschlag zustande gekommen?

Der Vorschlag entstand im Laufe verschiedener Konferenzen und Seminare zum Strukturwandel der Lausitz. In diesen zeigte sich, dass die gegenwärtige politische Tendenz einer primär wirtschaftlich gedachten Strukturförderung zu kurz greift, wenn sie nicht durch offene wissenschaftliche und öffentliche Diskurse zum Ziel und zur Art und Weise dieser Transformationsprozesse ergänzt wird.

Welches Ziel verfolgt das Projekt?

Das Projekt verfolgt zum einen das geistig-kulturelle Ziel, die Werte, Kriterien und Methoden offener Gesellschaften sowohl unter den Lehrenden und Studierenden, als auch in der regionalen Öffentlichkeit bewusster werden zu lassen.

Zum anderen verfolgt es das praktische Ziel, durch die Stärkung und Praktizierung der Formen einer offenen Gesellschaft in der Lausitz einen Beitrag zu einer gelingenden nachhaltigen Transformation dieser Region zu leisten.

Zum Dritten verfolgt das Projekt das (soweit das in dessen Rahmen möglich ist) ein theoretisch-praktisches Forschungsziel: Welche innovativen und kreativen, direkten und indirekten, unmittelbaren und  digitalen Kommunikationsformate sind geeignet, um auch in gefährdeten Regionen wie der Lausitz größere Bevölkerungsgruppen für die Werte einer offenen Gesellschaft zu begeistern ?

Welche Formate der Auseinandersetzung sind vorgesehen?

A – Eine öffentliche Ringvorlesung an der HSZG im Wintersemester 2020. Dazu werden ca. 6 Experten, die sich mit Themen offener Gesellschaften beschäftigen, für Vorträge eingeladen. An diese schlie0t sich jeweils eine Diskussion an.

B – Eine Regionalkonferenz mit überregionalen Experten zum Projektthema im November 2020 an der Hochschule Zittau/Görlitz.

C – Integration des Themas in die Lehre in verschiedenen Studiengängen, bisher geklärt insbesondere für die Studiengänge „Management des Sozialen Wandels“ und „Kultur und Management“ (Modul Sozialtheorie).

D – Eine öffentliche Buchlesung mit dem Buchautor Stefan Brunnhuber in Görlitz

Wer ist am Projekt beteiligt?

  • Initiatoren: V-Prof. Dr. phil. sozök. habil. Maik Hosang und Prof. Dr. phil. habil. Raj Kollmorgen
  • Mitglieder und Mitarbeiter des HSZG-TRAWOS-Instituts und des HSZG-Forschungsschwerpunkts Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft
  • Studierende der HSZG-Studiengänge „Management des Sozialen Wandels“ und „Kultur und Management“
  • Vertreter der Zivilgesellschaft der Lausitz, so u.a. des „Bündnis Zukunft Oberlausitz“
  • Buchautor Prof. Dr. Stefan Brunnhube
link
Mehr Infos zu "Eine Uni - ein Buch"

Mehr Infos zum Wettbewerb "Eine Uni - ein Buch" und die Beteiligung der HSZG finden Sie hier.

Kontakt

Dr. phil. habil.
Maik Hosang
Fakultät Management- und Kulturwissenschaften
Standort 02826 Görlitz
Furtstraße 3
Gebäude G IV, Raum 2.13
03581 374-4246
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