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10. Juni 2026

Doppelter Schulterschluss mit Taiwan

Zwei Ereignisse an einem Tag bringen die Taiwan-Kooperation der Region und der Hochschule einen neuen großen Schritt voran. Diesmal rückt die Halbleiterbranche auch für Sprach- und Wirtschaftsstudierende in den Fokus.

Der 9. Juni 2026 war für die internationale Vernetzung der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) und ihrer Region gleich in zweifacher Hinsicht bedeutsam. In Berlin unterzeichneten der Landkreis Görlitz und die taiwanische Stadt Taichung ein Memorandum of Understanding (MoU) zur engeren Zusammenarbeit. Am selben Tag kam die HSZG mit einer Delegation der Wenzao Ursuline University of Languages aus Kaohsiung zu einem Arbeitsgespräch zusammen, um gemeinsame Kooperationsmöglichkeiten in Studium, Lehre und Forschung auszuloten. Beide Begegnungen zeigen, wie eng die Region mittlerweile mit dem Hightech-Standort Taiwan verflochten ist.

Berlin: Landkreis Görlitz und Taichung besiegeln Partnerschaft

Die Unterzeichnung des MoU fand in der Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund in Berlin statt. Für den Landkreis Görlitz unterzeichnete Landrat Dr. Stephan Meyer, für die Stadt Taichung deren Oberbürgermeisterin Shiow-Yen Lu. Die Vereinbarung steckt ein breites Feld gemeinsamer Themen ab: nachhaltige Stadtentwicklung, Energiewende, grenzüberschreitende Wirtschaft, Kultur und Kunst, digitale Technologien, Katastrophenvorsorge, Talentförderung sowie Personalaustausch. Darüber hinaus wollen beide Seiten Unternehmen, Forschungs- und Kultureinrichtungen stärker vernetzen und gemeinsame Projekte in Innovation, nachhaltiger Entwicklung sowie Wirtschaft und Handel anstoßen.
Zustande kam die Kooperation auch durch die Initiative und Vermittlung des Bundestagsabgeordneten Florian Oest (CDU), der sich seit Längerem für den Ausbau der Beziehungen zwischen Sachsen und Taiwan engagiert und den Kontakt zwischen dem Landkreis Görlitz und der Stadt Taichung begleitet hat. Zu den Gästen zählten unter anderem Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der HSZG, sowie Sebastian Herzog, Vorstandsvorsitzender des Allgemeinen Unternehmerverbandes Zittau und Umgebung e. V.

Oest verwies auf die wirtschaftliche Dynamik des Partners:

Taichung ist einer der bedeutendsten Hightech- und Halbleiterstandorte der Welt. Die starke Innovationskraft dieser Region hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Taiwans Wirtschaft allein im vergangenen Jahr um über sieben Prozent gewachsen ist. Deshalb gilt es, den Austausch mit Taichung und Taiwan jetzt gezielt auszubauen und Kooperationen in Wirtschaft, angewandter Forschung, Fachkräfteentwicklung, aber auch in Kultur und Gesellschaft anzustoßen. Davon werden wir im Landkreis Görlitz ganz konkret profitieren können.

Florian Oest, Abgeordneter des Deutschen Bundestags

„Eine Win-Win-Situation im Halbleiterbereich“

Für die HSZG ist die Vereinbarung ein weiterer Baustein ihrer Internationalisierungsstrategie. Rektor Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch sieht in dem MoU einen Meilenstein:

Dieses Memorandum of Understanding zeigt, dass unsere Region über die Landesgrenzen hinweg an Attraktivität gewinnt. Für uns als Hochschule ist das eine Win-Win-Situation im Halbleiterbereich: Wir verknüpfen das Know-how einer globalen Tech-Metropole mit dem Potenzial unseres deutsch-polnisch-tschechischen Wirtschaftsraums. Das hilft uns dabei, junge Talente aus drei Ländern auszubilden und unsere Region langfristig enger an das sächsische High-Tech-Netzwerk ‚Silicon Saxony‘ anzubinden.

Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz

Landrat Meyer betonte die Bedeutung des MoU für die internationale Vernetzung des Landkreises und dankte ausdrücklich Florian Oest für dessen Engagement beim Aufbau der Kontakte. Oberbürgermeisterin Lu hob hervor, dass Landkreis Görlitz und Taichung gleichermaßen für Innovationskraft, nachhaltige Entwicklung und den Mut zur Transformation stünden; mit der Absichtserklärung werde die Grundlage für einen langfristigen Austausch gelegt, etwa in den Feldern intelligente Fertigung, nachhaltige Stadtentwicklung und wirtschaftliche Innovation.

Im Austausch mit der Wenzao Universität

Während in Berlin unterzeichnet wurde, vertiefte die HSZG ihre Taiwan-Kontakte am selben Tag in einem Arbeitsgespräch mit einer Delegation der Wenzao Ursuline University of Languages aus Kaohsiung. Ziel war es, gemeinsame Kooperationsmöglichkeiten in Studium, Lehre und internationalem Austausch auszuloten.

Auf taiwanischer Seite nahmen Präsidentin Prof. Dr. Hwei Lin Chuang, Prof. Dr. Shoou Huey Chang (Direktorin der Universitätsbibliothek und Präsidentin der German Scholars and Teachers Association of Taiwan) sowie Dr. Janet I Jane Weng, Dekanin für internationale Kooperationen und Leiterin des Office of International and Cross Strait Cooperation, teil. Begleitet wurde die Gruppe von Josef Goldberger, Leiter des Saxon Science Liaison Office Taiwan.

Für die HSZG führten die Prorektorin für Forschung, Transfer und Internationalisierung, Prof. Dr. Sophia Keil, Prof. Dr. Sebastian Zips, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen, sowie Susanne Fentzel aus der Stabsstelle des Rektors für Hochschulentwicklung und Kommunikation die Gespräche.

Studierendenmobilität, gemeinsame Abschlüsse und Halbleiter-Know-how

Im Mittelpunkt des Austauschs standen Möglichkeiten der Studierendenmobilität, gemeinsame internationale Bildungsangebote und neue Formen der Zusammenarbeit rund um die Halbleiterindustrie. Besonders großes Interesse zeigte die Delegation an den Aktivitäten der HSZG im Bereich Taiwan und Halbleitertechnologien.

Konkret diskutiert wurde ein von der Wenzao Universität entwickeltes Bildungsprogramm, das Sprach- und Wirtschaftsstudierenden Einblicke in die Halbleiterindustrie vermittelt. Die HSZG prüft nun mögliche Anknüpfungspunkte für eigene Studierende. Darüber hinaus ging es um verschiedene Formate des Studierendenaustauschs, gemeinsame Lehrangebote und perspektivisch auch Doppelabschlussprogramme.

Die Wenzao Universität bringt dafür umfangreiche Erfahrung mit: Sie unterhält weltweit zahlreiche Hochschulpartnerschaften und entsendet jährlich mehrere Hundert Studierende ins Ausland. Anknüpfungspunkte bietet auch ihr großer Germanistikbereich, in dem rund 450 Studierende Deutsch lernen.

Zum Abschluss vereinbarten beide Hochschulen, die Gespräche fortzusetzen und konkrete Kooperationsmöglichkeiten weiter zu prüfen. Ein Memorandum of Understanding liegt bereits im Entwurf vor und soll in den kommenden Monaten weiter abgestimmt werden.

Prorektorin Sophia Keil zeigte sich überzeugt:

Das passt wirklich gut zusammen: Die Hochschule Zittau/Görlitz hat einen starken Fokus auf die Halbleiterindustrie und auf Taiwan, und auch der gesamte Freistaat Sachsen richtet seinen Blick verstärkt auf das Land. Für uns wäre es eine große Ehre, eine der europäischen Partnerhochschulen der Wenzao Universität zu werden. Wir sehen viele spannende Anknüpfungspunkte für die zukünftige Zusammenarbeit und freuen uns auf den weiteren Austausch mit unseren Partnern in Taiwan.

Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung

Ausblick

Mit beiden Begegnungen an einem einzigen Tag setzt die Region ein deutliches Signal: Die Zusammenarbeit mit Taiwan wird zunehmend institutionell verankert, auf kommunaler Ebene durch das MoU zwischen Landkreis Görlitz und Taichung und auf wissenschaftlicher Ebene durch die sich anbahnende Hochschulpartnerschaft mit der Wenzao Universität. Für die HSZG entstehen daraus neue Möglichkeiten, Nachwuchs auszubilden, Forschung zu vernetzen und den Hightech-Standort Sachsen weiter zu stärken.

Foto: Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch
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