Workshop zum Thema Antifeministische Praktiken von MINT-Wissenschaftlerinnen gegenüber ‘Frauenförderung‘
Am 18. Und 19. Juni fand in München die Tagung „Demokratie und Gleichstellung unter Druck – emanzipatorische Perspektiven und Strategien“ statt. Im Rahmen der Workshop-Sessions präsentierten Bernadette Rohlf (wissenschaftliche Mitarbeiterin am TRAWOS-Institut) und Monique Ritter (Professorin für Gender und Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut und ehemaliges TRAWOS-Mitglied) Ergebnisse aus ihrer gemeinsamen Forschung.
Ausgangssituation war die marginalisierte Position von Frauen in MINT-Fächern, so lag der Frauenanteil in der Informatik/Technik 2019 bei Promotionen bei 18,6 % und bei Professuren bei nur 13,6 %. Paradoxerweise stoßen Frauenfördermaßnahmen bei den eigentlichen Adressatinnen oft auf Ablehnung, da sie als Angriff auf meritokratische Prinzipien und die eigene Leistungsfähigkeit wahrgenommen werden. Dieses Phänomen sollte in Verbindung mit neoliberalen Antifeminismus betrachtet werden und dabei aufzeigen, wie die Frauen feministische Errungenschaften verleugnen und patriarchale Strukturen individualisieren, um in männerdominierten Strukturen Anerkennung zu finden.
Am Workshop nahmen ca. 25 Personen teil und bekamen Einblick in die Interviewausschnitte. Dabei wurde die Funktion der Strategie beschrieben, definitorische Stichpunkte ausgearbeitet und alternative Umgangsweisen entwickelt. Besonders auffällig war die Bestrebung der interviewten Frauen, sich von stereotyp weiblichen Eigenschaften und „anderen“ Frauen abzugrenzen und rhetorisch (unbeabsichtigt) eine männliche Norm zu reproduzieren. Dies stellt für Akteur:innen der Gleichstellung eine komplexe Ausgangssituation dar und die Frage, welches Vorgehen und welche Gleichstellugsmaßnahmen wirksam werden könnten. Ein Vorschlag dazu war beispielsweise Austausch unter den vereinzelten Frauen zu fördern um die Erfahrungen zu ent-individualisieren. Außerdem ist die Verwendung des Begriffs „Frauenförderung“ in Frage zu stellen, weil er ein binäres und unrealistisch eindimensionales Bild von Gleichstellungsmaßnahmen festigt.
„Gleichstellungsbeauftragte brauchen wir nicht, wir sind auch so stark!“ – Antifeministische Praktiken von MINT-Wissenschaftlerinnen gegenüber ‘Frauenförderung‘ Bernadette Rohlf, Monique Ritter, Julia Ochmann, Sophie Seelinger, Lea Weber
In: K. Balkow, B. Gfaller, P. Krüger, & H. Haag (Hrsg.), Antifeminismen – Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis. Verlag Barbara Budrich. (im Erscheinen)