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KI in der Pflege – was die Praxis wirklich denkt
Am 5. August 2026 lud das Forschungsprojekt Saxony⁵ zum Workshop „KI in der Pflege?“ ins CELSIUZ nach Zittau ein. Pflegefachkräfte, Einrichtungsleitungen und Interessierte aus der Region kamen zusammen, um gemeinsam einen Blick auf den aktuellen Stand Künstlicher Intelligenz in der Pflege zu werfen.
Rückblick auf den Workshop
Wie weit ist Künstliche Intelligenz in der Pflege wirklich angekommen und was denken die, die täglich damit arbeiten müssten? Diesen Fragen ging der Workshop „KI in der Pflege?" am 5. August 2026 im CELSIUZ Zittau nach. Rund 15 Pflegefachkräfte und Einrichtungsleitungen aus der Region kamen zusammen, trotz Ferienzeit, Hitze und kurzfristiger Programmänderung. Den Impulsvortrag übernahm Maria Fabisch, Projektmitarbeiterin im Transferverbund Saxony5, die einen Überblick über aktuelle KI-Anwendungen in der Pflege gab, von Sprachdokumentation über Sturzprophylaxe bis hin zu Dienstplanung, und dabei einordnete, was heute schon funktioniert und was noch Versprechen bleibt. Im anschließenden World Café erarbeiteten die Teilnehmenden an vier Thementischen ihre eigene Perspektive. Was dabei herauskam, zeigt: Der Wunsch nach Entlastung ist groß, die Grenzen sind klar gezogen und die größte Hürde ist keine technische.
World Café: Die Stimme der Praxis
Chancen
Gefragt, wo sie sich KI am dringlichsten wünschen, nannten die Teilnehmenden an erster Stelle die Dokumentation, mit dem Argument, dass ihnen dadurch mehr Zeit mit den Patientinnen und Patienten bliebe. Weitere häufig genannte Bereiche waren digitale Patientenverwaltung, Sturzmeldesysteme, Wundbeurteilung und Medikamentenbestellung. Besonders auffällig war, dass die Betreuung von Menschen mit Demenz von einer Gruppe als dränglichstes Einsatzfeld benannt wurde, mit der Begründung, dass der Betreuungsaufwand zuletzt massiv gestiegen sei.
KI in der Dokumentation wäre hilfreich, weil uns dann mehr Zeit mit den Patienten bleibt.
Grenzen
Beim Thema Grenzen waren die Teilnehmenden bemerkenswert einig. Die genannten Bereiche Sterbebegleitung, emotionale Unterstützung, soziale Nähe und Wärme, Trost, Gespräche, Angehörigenbetreuung und Grundpflege machen deutlich, dass Pflegefachkräfte sehr genau zwischen Aufgaben unterscheiden, die Technik übernehmen kann, und solchen, die zum Kern professioneller Pflege gehören. Diese Grenzziehung ist nicht technikfeindlich, sondern professionell reflektiert. Einig waren sich alle darin, dass die letzte Entscheidung immer beim Menschen liegen muss.
KI darf bei uns nie die Sterbebegleitung durchführen, weil diese Phase sehr persönlich und emotional ist.
Hemmschwellen
Als größte Hemmschwellen nannten die Teilnehmenden sensible Patientendaten, Unsicherheit und Berührungsangst, Kosten für Anschaffung und Einarbeitung sowie die Frage, wie alle Mitarbeitenden mitgenommen werden können. Explizit erwähnt wurde das Kirchliche Datenschutzgesetz (KDG) als spezifische Hürde für konfessionelle Einrichtungen. Bemerkenswert war ein weiterer Befund: Neben Technikskepsis und Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden wurde auch das Ausbleiben von Entscheidungen auf Leitungsebene als Hürde benannt. Es geht also nicht allein um Schulung der Mitarbeitenden, sondern auch um Führungsverantwortung.
Was ins am meisten hindert, ist die Angst vor Neuen. Wir würden uns wünschen, dass es mehr Aufklärung gibt.
Erfahrungen
Am Erfahrungstisch zeigte sich, dass die Digitalisierung in den vertretenen Einrichtungen unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Positiv genannt wurden Tabletnutzung für Wundfotos, Pflegeplanung mit Sprachfunktion, stationäre Tourenplanung sowie die Nutzung von KI-Chatbots für Informationsrecherche und Zusammenfassungen. Auf der anderen Seite wurden heterogene Kommunikationskanäle zwischen Systemen, Berührungsangst und fehlende Führungsunterstützung als Hürden beschrieben. Die Technikkompetenz im Team wurde als heterogen eingeschätzt. Das Fazit: Ein Anfang ist gemacht, aber Technikakzeptanz und -kompetenz bleiben die eigentliche Baustelle.
Die Technologie war gut – aber die Einführung war die eigentliche Herausforderung. Ohne Begleitung hätte das System nicht funktioniert.
Zirkulärer Transfer – Von der Forschung in die Praxis und zurück
Ein zentrales Ziel des Abends war der zirkuläre Transfer: Der wissenschaftliche Impulsvortrag zu Beginn brachte aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis. Die Ergebnisse des World Cafés fließen nun in umgekehrter Richtung zurück in die Forschung des GAT. Dieses Verständnis von Wissenschaftstransfer als wechselseitigem Prozess ist kennzeichnend für den Co-Creation-Ansatz. Forschung wird nicht über die Praxis betrieben, sondern mit ihr. Problemdefinitionen, Lösungsansätze und Bewertungen entstehen somit im gemeinsamen Dialog.
Der Workshop „KI in der Pflege?" hat gezeigt, dass das Thema in der Pflegepraxis mit allem Potenzial und aller Ambivalenz angekommen ist. Die Teilnehmenden brachten ein bemerkenswertes Maß an Reflexionsvermögen und Offenheit mit. Sie äußerten Skepsis, wo Skepsis angebracht ist und erkannten Chancen, wo Technik echte Entlastung bringen kann.
Das GAT-Institut plant, die begonnenen Gespräche in weiteren partizipativen Formaten weiterzuführen.
Der Workshop wurde im Rahmen des Verbundprojekts Saxony⁵ durchgeführt, einem Transferverbund der fünf sächsischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) im Programm „Innovative Hochschule".
2.Obergeschoss